Wer wird neuer Trainer von Tunesien? Nachfolger von Hervé Renard weiter offen
Hervé Renards kurze und letztlich erfolglose Amtszeit als Tunesiens neuer Trainer Nationalmannschaft ist nach dem enttäuschenden Ausscheiden der „Adler von Karthago“ in der Gruppenphase der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 zu Ende gegangen. Der erfahrene französische Coach gab seinen Abschied über die sozialen Medien am 4./5. Juli 2026 bekannt – nur wenige Wochen nach seiner Übernahme mitten im Turnier. Bislang hat der tunesische Fußballverband (FTF) noch keinen Nachfolger ernannt, was Fans, Analysten und die Fußballwelt über die zukünftige Führung der Mannschaft spekulieren lässt.
Dieser jüngste Trainerwechsel schreibt ein weiteres Kapitel in der turbulenten jüngeren Geschichte Tunesiens, geprägt von zahlreichen Trainerwechseln, hohen Erwartungen nach einer makellosen Qualifikation und einem rekordverdächtigen defensiven Zusammenbruch beim erweiterten 48-Teams-Weltturnier in Nordamerika.
Aufstieg und Fall von Hervé Renards Amtszeit bei Tunesien
Hervé Renard, 57 Jahre alt, übernahm den Posten Mitte Juni 2026 auf Notfallbasis, nachdem der Verband Sabri Lamouchi nach einer demütigenden 5:1-Auftaktniederlage gegen Schweden entlassen hatte. Die Verpflichtung Renards war ein mutiger Versuch, die WM-Kampagne der Tunesier in der Gruppe F gegen Japan und die Niederlande zu retten.
Renard brachte durch seine Ausstrahlung, taktische Kompetenz und Erfolge im afrikanischen Fußball sofort Glaubwürdigkeit mit – vor allem durch die Gewinne des Afrika-Cups mit Sambia (2012) und der Elfenbeinküste (2015) sowie die WM-Teilnahmen mit Marokko und Saudi-Arabien. Berühmt wurde er durch den sensationellen 2:1-Sieg Saudi-Arabiens gegen den späteren Weltmeister Argentinien bei der WM 2022 in Katar.
Die Rettungsmission scheiterte jedoch. Unter Renard verlor Tunesien 0:4 gegen Japan und 1:3 gegen die Niederlande, beendete die Gruppe ohne Sieg und kassierte mit 12 Gegentoren einen unerwünschten Turnierrekord in der Gruppenphase. Die Mannschaft schied früh aus, woraufhin Renard erklärte: „Mein Abenteuer endet hier“, und dem FTF für die Gelegenheit dankte.
Seine kurze Amtszeit – nur zwei Spiele – machte die tief verwurzelten Probleme der Mannschaft deutlich: defensive Schwächen, mangelnde Abstimmung und möglicherweise die psychische Belastung durch ständige Instabilität.
Ein Muster der Instabilität: Tunesiens Trainerkarussell
Die Trainer-Situation Tunesiens war in letzter Zeit alles andere als stabil. Vor Lamouchi und Renard:
- Sami Trabelsi leitete eine nahezu perfekte Qualifikation, in der die Gruppe ohne Gegentor gewonnen wurde. Dennoch wurde er nach dem Achtelfinal-Aus beim Afrika-Cup 2025 in Marokko entlassen.
- Sabri Lamouchi, im Januar 2026 mit Vertrag bis 2028 verpflichtet, hielt nur fünf Spiele durch. Der französisch-tunesische Ex-Spieler (mit Stationen bei Nottingham Forest, Rennes und der Elfenbeinküste) erlebte schwache Vorbereitungsspiele und das Debakel gegen Schweden.
Dies ist der jüngste in einer Reihe schneller Wechsel. Berichten zufolge hat Tunesien seit 2024 mehrere Trainer durchlaufen, darunter Jalel Kadri, Montasser Louhichi, Faouzi Benzarti und Kais Yaâkoubi als Interimslösungen. Solche Wechsel erschweren langfristige Planung, Spielerentwicklung und taktische Kontinuität.
Die Entscheidung des FTF, Renard mitten in der WM zu holen, war in ihrer zeitlichen Planung beispiellos. Lamouchi wurde damit zum ersten Trainer, der nach nur einem WM-Spiel entlassen wurde. Obwohl der Schritt neue Energie bringen sollte, konnte er den defensiven Absturz nicht stoppen.
Was lief bei der WM 2026 schief?
Tunesien ging mit Optimismus ins Turnier – nach der makellosen Qualifikation. In Gruppe F mit Schweden, Japan und den Niederlanden hoffte man auf ein starkes Abschneiden oder den Einzug ins Achtelfinale.
Stattdessen:
- 5:1 gegen Schweden: Schwere defensive Schwächen wurden offengelegt.
- 0:4 gegen Japan: Renard fühlte sich „beschämt“ – die Qualifikationshoffnungen waren de facto beendet.
- 1:3 gegen Niederlande: Das Ausscheiden wurde besiegelt und ein negativer Rekord aufgestellt.
Zu den Faktoren gehörten eine alternde Mannschaft, Integrationsprobleme bei Diaspora-Spielern, taktische Fehlanpassungen und die destabilisierende Wirkung des Trainerwechsels während des Turniers.
Nach dem Turnier stehen Fragen zur Spielerauswahl, Verbandsgovernance und Investitionen in die Jugendarbeit im Raum. Die Regierung hat Berichten zufolge Konsequenzen für Verantwortliche angekündigt.
Mögliche Kandidaten für den nächsten tunesischen Trainer
Da der FTF noch keinen Nachfolger benannt hat, wird heftig spekuliert. Wichtige Kriterien sind Erfahrung mit afrikanischen Teams, Kenntnis der tunesischen Fußballkultur und die Fähigkeit, das Vertrauen vor den anstehenden Afrika-Cup-Qualifikationen im September wiederherzustellen.
Wichtige Namen und Profile:
- Lokale Optionen:
- Faouzi Benzarti: Erfahrener tunesischer Coach mit mehreren früheren Amtszeiten. Bekannt für Disziplin und Erfolge im Inland.
- Mondher Kebaier oder andere Interimstrainer: Vertraut mit dem Kader, könnten jedoch neue Impulse fehlen.
- Erfahrene ausländische Trainer:
- Coaches mit Afrika-Cup- oder WM-Erfahrung, möglicherweise erneut ein Franzose aufgrund historischer Verbindungen.
- Interesse an kürzlich verfügbaren Trainern anderer Nationalteams oder Vereine.
- Aufstrebende oder Diaspora-Trainer: Persönlichkeiten, die europäische Vereinserfahrung mit nordafrikanischen Anforderungen verbinden können.
Der Verband muss kurzfristige Ergebnisse mit nachhaltiger Entwicklung in Einklang bringen. Eine langfristige Verpflichtung mit klaren Zielen – starke Qualifikationen für den nächsten Afrika-Cup und Aufbau für künftige Weltmeisterschaften – wäre wünschenswert. Verhandlungen über eine Verlängerung, wie bei Renards Vertrag vorgesehen, kamen nicht zustande.
Breitere Auswirkungen auf den tunesischen Fußball
Tunesien verfügt über eine reiche Fußballtradition als konstanter afrikanischer Leistungsträger mit mehreren WM-Teilnahmen und starken Vereinen. Wiederholte Trainerinstabilität birgt jedoch die Gefahr, dass Fan-Unterstützung und Spielermotivation leiden.
Wichtige Herausforderungen:
- Defensiver Neuaufbau: Die bei der WM 2026 offenbarten Schwächen beheben.
- Kadererneuerung: Junge Talente integrieren und erfahrene Kräfte halten.
- Verbandreformen: Mehr Transparenz, Scouting und Infrastruktur.
- Qualifikationsdruck: Die Afrika-Cup-Zyklen 2027/2029 werden den neuen Trainer sofort testen.
Erfolgsgeschichten wie Renards frühere Triumphe zeigen, dass der richtige Trainer eine Mannschaft schnell nach oben führen kann. Andererseits könnte anhaltender Wechsel zu weiterem Abstieg führen.
Ausblick: Hoffnung trotz Unsicherheit
Während der FTF berät, warten tunesische Fans auf eine Ankündigung, die das Schiff stabilisieren könnte. Der ideale Kandidat benötigt Resilienz, taktische Flexibilität und starke Menschenführung, um eine talentierte, aber unter ihren Möglichkeiten spielende Mannschaft zu einen.
In der Zwischenzeit richtet sich der Fokus auf heimische Ligen und Testspiele zur Evaluation. Die leidenschaftlichen tunesischen Anhänger verdienen eine wettbewerbsfähige Mannschaft, die das Land auf kontinentaler und globaler Bühne stolz macht.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Verband auf Kontinuität mit einem bewährten lokalen Namen setzt oder auf einen hochkarätigen internationalen Neuzugang setzt. Bis dahin bleibt die Frage offen: Wer wird Tunesiens neuer Trainer nach Hervé Renard?